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Textkritische Edition: Petrus Memmius' (1531-1589) Kommentar zum Hyppokratischen Eid von 1577

Petrus Memmius, Hippocratis Coi Ius iurandum commentario recenter illustratum, [etc.](1)

Das Desiderat

Der hippokratische Eid gilt als erster abendländischer Text ärztlicher Ethik.[1]

An der Universität Rostock verfasste 1577 Professor Petrus Memmius[2] zu diesem Gelöbnis einen Kommentar. Memmius wurde 1531 in Herentals (Brabant) geboren und verstarb 1589 in Lübeck. Von 1568 bis 1581 war er an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock ordentlicher Professor.[3] 1571 bestallte ihn Herzog Ulrich von Mecklenburg zu seinem Leibarzt. Unter Beibehaltung seiner leibärztlichen Pflichten wirkte er von 1581 bis zu seinem Tod im Jahr 1589 als Stadtphysikus in Lübeck.[4]

In der Gegenwart sind die Aussagen des Memmius zum hippokratischen Eid jedoch fast gänzlich unbekannt. Deshalb lohnt es sich, sowohl eine moderne textkritische Edition als auch eine kommentierte Übersetzung des in lateinischer Sprache vorliegenden Kommentars ins Deutsche anzustreben.

 

Die Arbeitsziele und -methoden

Um das oben genannte Desiderat auszuräumen, muss an erster Stelle das Ziel stehen, den Kommentar des Memmius textkritisch zu edieren. Für die Edition sind die gegenwärtig ermittelbaren Ausgaben heranzuziehen, die zum Buchbestand der Rostocker Universitätsbibliothek und zu dem Bestand der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel gehören.[5] Nachdem die Editionsrichtlinien – sie orientieren sich maßgeblich am vorgelegten Leitfaden der AHF[6] – offengelegt worden sind, ist dementsprechend die kritische Quellenedition vorzunehmen. Liegt die Edition vor, muss es das nächste Ziel sein, eine Übersetzung des lateinischen Textes ins Deutsche vorzunehmen. Das soll unter Anwendung der phrastischen Wort-für-Wort-Übersetzungsmethode geschehen.[7] Edition und Übersetzung sind die Grundvoraussetzung für die Kommentierung des Quellentextes. Dies ist das dritte unverzichtbare und wohl schwierigste Arbeitsziel dieses Projektes. Bei der Kommentierung gilt es, Personen, Schriften, Phrasen, Textpassagen usw., die Memmius anführte oder zitierte, zu recherchieren, zu- und einzuordnen.

 


[2] Petrus Memmius  cpr.uni-rostock.de/nav (abgerufen: 19. Juli 2015).

Die Immatrikulation des Memmius an der Universität Rostock ist für November 1568 nachweisbar. matrikel.uni-rostock.de/id/100028432 (abgerufen: 19. Juli 2015).

[3] Ebd.

[4] Gert-Horst Schumacher, Heinzgünther Wischhusen, Anatomiae Rostochiensis, Berlin 1970, S. 34f.

[5] Siehe Quellennachweis.

[6] Editionsempfehlungen der Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungen in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (AHF) www.ahf-muenchen.de/arbeitskreise/empfehlungen.shtml. (abgerufen: 13. Oktober 2014).

[7] Beate Hoffmann, Antike und Moderne Strategien der Texterschließung. Eine Untersuchung in der Lektürephase des gymnasialen Lateinunterrichts auf der Grundlage von Originalquellen, S. 179f. https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de (abgerufen: 20. November 2015).