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Geschichte der Medizin in Rostock

Wie auf der ersten Seite unserer Homepage durch die digitale Wiedergabe deutlich wird, gehört die Geschichte der Medizin (historia medicinae) gemeinsam mit der Geschichte medizinischer Gelehrsamkeit zu den älteren Fächern der Rostocker Universitätsmedizin. In den 1797 aus Überlegungen der Reformierung des Medizinstudiums entwickelten Statuten der Rostocker medizinischen Fakultät, die zwei Jahre später durch Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg in Kraft gesetzt worden sind, sind diese Wissensgebiete bzw. Fächer vorgesehen. Die Umsetzung dieser Absichten sollte allerdings ein Weg mit vielen Hindernissen und Rückschlägen werden. Zunächst war für das Fach keine spezielle Professur vorgesehen.

Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderte gehörte Lehre im Fach „Geschichte der Medizin“ zum Fachkanon des Medizinstudiums. Zunächst gehörte die Vermittlung medizinhistorischer Grundkenntnisse zu den obligaten Lehrverpflichtungen des Pathologen (Ernst Schwalbe, Walter Fischer) und des Pharmakologen (Rudolf Kobert). Aber auch andere Fachvertreter haben fachhistorische Lehrveranstaltungen durchgeführt, so der Dermatologe Walter Frieboes und der Internist Friedrich Martius.

Im Zusammenhang mit dem Universitätsjubiläum 1919 wurde die Frage einer Etablierung des Faches diskutiert. Karl Sudhoff, der damals bekannteste Medizinhistoriker Deutschlands, schaffte es, seinen Schüler Walter von Brunn in Rostock ins Gespräch zu bringen. Seit dem Zwischensemester 1920 führte von Brunn, nachdem er sich in Rostock habilitiert hatte, medizinhistorische Lehrveranstaltungen durch. Sein Wunsch, ein „Medizinhistorisches Seminar“ zu begründen, wurde von der Fakultät und dem Kultusministerium in Schwerin nicht mit getragen. 1933 übernahm von Brunn das von Sudhoff begründete Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften an der Leipziger Universität, das ohne Direktor war, nachdem Henry Ernest Sigerist, der Nachfolger von Sudhoff, 1932 einen Ruf nach Baltimore angenommen hatte. Sigerist hat in den 30er und 40er Jahren dann in Baltimore die amerikanische Medizingeschichte begründet.

Bis Mitte der 1980er Jahre gehörte die Vorlesung „Geschichte der Medizin“ zu den Lehrverpflichtungen des Philosophen und Gesellschaftswissenschaftlers Ulrich Seemann. Sein Nachfolger war der Rostocker Pädiater Dr. Roland Busch.

Anfang der 1990er Jahre gab es zunächst Vorstellungen über die Einrichtung einer C4-Professur für Geschichte der Medizin an der Universität Rostock, die sich jedoch bald zerschlugen. Statt dessen wurde in Greifswald eine „Landesprofessur“ unter Beibehaltung des dort bereits bestehenden Instituts geschaffen und mit Heinz-Peter Schmiedebach besetzt. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die medizinhistorische Lehre in Rostock. Um die Kontinuität medizinhistorischer Forschung und Lehre zu sichern, ist es ihm, vor allem durch das große Entgegenkommen des Dekans Gottfried Benad, gelungen, in Rostock eine Mitarbeiterstelle einzurichten, die dem Institut für Gesundheitswissenschaften zugeordnet wurde. Zwischenzeitlich wurde sie dem Institut für Palliativmedizin attachiert. Heute gehört der Arbeitsbereich zum Institut für Rechtsmedizin.

Seit 2003 ist die Greifswalder Professur nicht mehr besetzt, so daß de facto der Rostocker Arbeitsbereich Geschichte der Medizin keine „Dependance“ Greifswalds, sondern eine selbständige Einrichtung der Universität Rostock ist. An dieser Entwicklung wird auch die seit 2011 in Greifswald angestrebte Wiederbesetzung des Lehrstuhls für Geschichte der Medizin nichts ändern.