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Seelenarbeit im Sozialismus: Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR

Nähere Angaben finden Sie auch auf unserer SiSaP-Homepage, die Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, die Teilprojekte, Kooperationspartner und Verbundpartner u.a.m. enthält.

Projektträger: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – BMBF (01UJ1908AY)

Projektlaufzeit: Januar 2019 - Dezember 2022

Projektkoordination:

Prof. Dr. phil. habil. Bernhard Strauß; Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena

Kooperationspartner:

  • Teilprojekt Greifswald/Rostock: Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?

Prof. Dr. Hans J. Grabe; Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald

Prof. Dr. Ekkehardt Kumbier; Arbeitsbereich Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Rostock

Mitarbeitende: Marie Luise Drecktrah, Dr. Kathleen Haack, Antonia Windirsch

  • Teilprojekt Jena: Die ambivalente Rolle der Psychotherapie

Prof. Dr. phil. habil. Bernhard Strauß; Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena

Mitarbeitende: Dr. Agnès Arp, Adrian Gallistl M.A, Hariet Kirchner M.A, Dr. Susanne Schwager, Monika Storch M.A

  • Teilprojekt Dortmund: Psychologie unter politischem Diktat und ihre Justiz

Prof. a. D. Dr. Susanne Guski-Leinwand; Fachhochschule Dortmund, FB Angewandte Sozialwissenschaften, PD an der FSU Jena

  • Teilprojekt Erlangen: Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie im Gesundheitssystem

Dr. Rainer Erices; Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?

Eine Untersuchung zur strukturellen Verankerung und dem gesellschaftlichen Stellenwert psychiatrischer Versorgung.

Auch 30 Jahre nach der so genannten politischen Wende sind viele Fragen zur Rolle der Psychiatrie in der DDR noch immer unbeantwortet. Eine Systematik grundlegender Strukturen fehlt weitgehend.

Dementsprechend zielt das Teilprojekt „Psychiatrie in der DDR“ auf die wissenschaftliche Aufarbeitung der für die Psychiatrie relevanten Strukturen innerhalb des DDR-Gesundheitswesens im Zeitraum von 1945 bis 1990. Innerhalb dieser Strukturen und Körperschaften sollen Abläufe, gesetzliche Rahmenbedingungen, Akteure und deren Interaktionen vor dem Hintergrund politisch-ideologischer und fachlicher Diskurse und Vorgaben untersucht werden. Durch Netzwerkanalysen wird es möglich sein, Beziehungsstrukturen zu analysieren und den Einfluss sowohl Einzelner als auch der von Gruppen innerhalb der Psychiatrie sowie außerhalb auf politisch-administrativer Ebene zu überprüfen. Dadurch sollen Handlungsspielräume herausgearbeitet und die für die Durchsetzung der Gesundheits- und Wissenschaftspolitik verantwortlichen SED- sowie institutionellen Leitungs- und Machtstrukturen aufgezeigt werden. Anhand qualitativer Interviews mit Zeitzeugen, die in irgendeiner Form zwischen 1945 und 1989 mit der Psychiatrie in der DDR konfrontiert waren sowie mittels einer Repräsentativbefragung in den neuen und alten Bundesländern bezüglich lebensgeschichtlicher Erfahrungen in und mit der DDR, soll dieses Ziel begleitend unterstützt werden.

Zudem sollen veröffentlichte Fachpublikationen systematisiert, inhaltlich analysiert und durch einen kritischen Abgleich mit „den Alltagserfahrungen“ geprüft werden, inwieweit diese Ausdruck der jeweiligen Forschung und Praxis waren. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf der interviewbezogenen Arbeit mit Zeitzeugen (ehemaligen Akteuren und Patienten) und auf gezielten Archivstudien liegen. Neben der Ausrichtung auf die Patientenperspektive gilt es, Verflechtungen von Verantwortlichen mit dem Ministerium für Staatssicherheit zu identifizieren.

Die Ergebnisse werden in Form von Bibliographien und Literatursammlungen sowie einer Online-Datenbank zu Archivalien der Psychiatrie in der DDR für künftige wissenschaftliche Projekte zur Verfügung gestellt. Ein wichtiges Anliegen ist es, die Öffentlichkeit über eine Homepage, durch regelmäßige Veranstaltungen, Informationsbroschüren, die Gestaltung einer Wanderausstellung über die Ergebnisse zu informieren.