Seelenarbeit im Sozialismus: Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR

Psychiatrie in der DDR III. Weitere Beiträge zur Geschichte.

Kumbier E, Haack K (2022, Hrsg.) Erscheinungstermin: November 2022

Psychiatrie in der DDR wird bis heute widersprüchlich wahrgenommen: Während viele Patientinnen und Patienten ihre Behandlung als wenig individualisiert wahrnahmen, engagierten sich viele professionell Agierende im Klinikalltag, der häufig von einer desolaten materiellen Lage geprägt war, bis an ihre Grenzen. Verschiedene Beiträge dokumentieren dieses Spannungsfeld und ziehen einen breiten thematischen und zeitlichen Bogen. Eingebettet in grundlegende Entwicklungen des Gesundheitswesens der DDR werden diagnostische und therapeutische Ansätze und Entwicklungen einschließlich medikamentöser Therapien und der Psychotherapie betrachtet. Der differenzierte Einblick in den mikrohistorischen Sozialraum Psychiatrie zeigt, welche enormen Unterschiede in einzelnen Einrichtungen vorhanden waren und in welchem Ausmaß die Qualität der medizinischen und therapeutischen Versorgung von engagierten Akteuren vor Ort abhängig war.

Mit Beiträgen von Jan Armbruster, Viola Balz, Monika Bauer, Hartmut Bettin, Christof Beyer, Steffi Brüning, Florian Bruns, Rainer Erices, Alexandra Geisthövel, Kathleen Haack, Martin Kiechle, Ekkehardt Kumbier, Stefan Orlob, Maike Rotzoll, Anton Schrödter, Felicitas Söhner, Antonia Windirsch, Henriette Völker und Markus Wahl.

Kolloquium mit Forschungsergebnissen zur Psychiatrie in der DDR

Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur | Programm

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kathleen Haack, Antonia Windirsch und Ekkehardt Kumbier stellen am 5. Dezember 2022 in Schwerin ihre Forschungsergebnisse aus dem SiSaP-Teilprojekt „Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?“ der Universitätsmedizinen Rostock und Greifswald vor. Sie kommen mit den Beraterinnen und Beratern der Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ins Gespräch, die in ihrer Arbeit mit den Wirkungen der Psychiatrie in der DDR auf die Betroffenen umgehen.

Podiumsdiskussion "Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR"

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald | Programm

Demnächst in der  Mediathek!

In Greifswald diskutierten am 4. November 2022 der Historiker Hartmut Bettin (Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Greifswald), der Journalist und Medizinhistoriker Rainer Erices (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), der Psychiater Hans Jörgen Grabe (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald), der Psychiater und Medizinhistoriker Ekkehardt Kumbier (Arbeitsbereich Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Rostock) und der Psychologe und Psychotherapeut Bernhard Strauß (Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie des Universitätsklinikums Jena) vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus dem vom BMBF geförderten Verbundprojekt „Seelenarbeit im Sozialismus“ über die Rolle der Psychiatrie und Psychotherapie innerhalb des Gesundheitswesens der DDR. Diese Interdisziplinarität verlieh der Diskussion über das, was Psychiatrie und auch Psychotherapie und letztlich das Gesundheitswesen in der DDR ausgemacht hat, besondere Impulse.

Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung, Missbrauch?

Im Rahmen der Veranstaltung „Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung, Missbrauch?“, die am 30.06.22 vom Sächsischen Psychiatriemuseum in Kooperation mit dem SiSaP-Teilprojekt Rostock/ Greifswald in Leipzig stattfand, wurde das Thema Psychiatrie in der DDR aus verschiedenen Perspektiven befragt.

Prof. Dr. Kumbier (SiSaP-Teilprojekt Rostock/Greifswald) und PD Dr. Rainer Erices (SiSaP-Teilprojekt Erlangen/Nürnberg) gaben einen Einblick in das aktuelle Forschungsprojekt zur Psychiatrie in der DDR und stellten erste Ergebnisse vor. Zudem konnten sich Interessierte in der zugehörigen Ausstellung infomieren, die von Dr. Kathleen Haack kuratiert worden war.

Bevor der Dokumentarfilm „Verwahrt und Vergessen – Psychiatrie in der DDR“ (2021) gezeigt wurde, berichtete Claudia Gründer über die Entstehung des Filmes und beantwortete zahlreiche Fragen.

Die abschließende, durchaus kontroverse Diskussion veranschaulichte die Vielschichtigkeit der Thematik. Das zeigte sich im regen Austausch der Anwesenden, darunter Zeitzeugen und Protagonisten wie auch Betroffene, deren persönliche Geschichte im Film verarbeitet wurde.

ARD-Programm "Geschichte im Ersten": Verwahrt und vergessen? Psychiatrie in der DDR

Der Dokumentarfilm entstand unter Mitwirkung unseres Arbeitsbereiches Geschichte der Medizin im Rahmen des SiSaP-Forschungsprojektes "Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?" und kann in der ARD-Mediathek  abgerufen werden. Nähere Informationen zu dem Film von Ulli Wendelmann und Claudia Gründer finden sich unter Schulz / Wendelmann Film.

Seelenarbeit im Sozialismus - Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der DDR

Strauß B, Erices R, Guski-Leinwand S, Kumbier E (2022, Hrsg.)

Das Gesundheitssystem galt in der DDR als Vorzeigeerrungenschaft des Sozialismus. Gleichzeitig betrachtete die Staatsführung bestimmte Disziplinen aber auch argwöhnisch als Orte von kritischem Denken und möglichem Widerstand. Insbesondere Psychiatrie, Psychotherapie und Psychologie hatten eine ambivalente Position zwischen Unterdrückung und Autonomieförderung inne. Welche Rolle spielten diese Disziplinen? Und warum scheiterte das staatliche Fürsorgeversprechen insbesondere im Hinblick auf die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung? Diesen und weiteren Fragen gehen die Beiträgerinnen und Beiträger auf den Grund.

Mit Beiträgen von Agnes Arp, Christof Beyer, Stefan Busse, Rainer Erices, Inge Frohburg, Adrian Gallistl, Michael Geyer, Hans J. Grabe, Susanne Guski-Leinwand, Harriet Kirschner, Ekkehardt Kumbier, Andreas Maercker, Thomas R. Müller, Manuel Rauschenbach, Maike Rotzoll, Annette Simon, Monika Storch und Bernhard Strauß.

Gespräch über die Möglichkeiten und Grenzen der Archivarbeit

Hier geht es zum Podcast.

Kathleen Haack von den Universitätsmedizinen Greifswald und Rostock spricht mit Rainer Erices von der Universität Erlangen-Nürnberg über die Nutzung von Archiven für ihre Forschungen innerhalb des Verbundprojekts „Seelenarbeit im Sozialismus (SiSaP)“. Im Podcast geht es um die Möglichkeiten und Grenzen der Archivarbeit für ihre jeweiligen Teilprojekte sowie um die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie.

Gespräch über die "Psychiatrie in der DDR"

Hier geht es zum Podcast.

Ekkehardt Kumbier von der Universitätsmedizin Rostock und Rainer Erices von der Universität Erlangen-Nürnberg sprechen über ihre Forschungen und Themen innerhalb des Verbundprojekts „Seelenarbeit im Sozialismus (SiSaP)“. Beide leiten Teilprojekte innerhalb des Forschungsverbunds. Im Podcast geht es um Fragen eines politischen Missbrauchs der Psychiatrie in der DDR oder um die Frage, gab es eine „DDR-Psychiatrie“.

Der Deutschlandfunk berichtete in seiner Sendereihe "Aus Kultur- und Sozialwissenschaften".

Der Beitrag kann in der Audiothek abgerufen werden.

Tagung „Psychiatrie in der DDR“

Die digitale Tagung „Psychiatrie in der DDR“ wurde von unserem Arbeitsbereich Geschichte der Medizin am 9.9.2021 gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald und unseren Partnern des Forschungsverbundes „Seelenarbeit im Sozialismus – SiSaP“ der Universitäten Jena, Erlangen und der FH Dortmund veranstaltet gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten aus Berlin, Düsseldorf, Halle/S., Heidelberg, Leipzig, Lübeck und Münster.

Weitere Angaben zu dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt „Seelenarbeit im Sozialismus“ finden sich auf der Homepage von SiSaP.

Hier finden Sie das Tagungsprogramm und die Kurzpräsentation der Vorträge und der Referenten!

Nähere Angaben finden Sie auch auf unserer SiSaP-Homepage, die Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, die Teilprojekte, Kooperationspartner und Verbundpartner u.a.m. enthält.

Projektträger: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – BMBF (01UJ1908AY)

Projektlaufzeit: Januar 2019 - Dezember 2022

Projektkoordination: Prof. Dr. phil. habil. Bernhard Strauß; Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena

Kooperationspartner:

  • Teilprojekt Greifswald/Rostock: Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?

Prof. Dr. Hans J. Grabe; Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald

Prof. Dr. Ekkehardt Kumbier; Arbeitsbereich Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Rostock

Mitarbeitende: Dr. Kathleen Haack, Dipl.-Psych. Antonia Windirsch

  • Teilprojekt Jena: Die ambivalente Rolle der Psychotherapie

Prof. Dr. phil. habil. Bernhard Strauß; Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena

Mitarbeitende: Dr. Agnès Arp, Adrian Gallistl M.A, Hariet Kirchner M.A, Dr. Susanne Schwager, Monika Storch M.A

  • Teilprojekt Dortmund: Psychologie unter politischem Diktat und ihre Justiz

Prof. a. D. Dr. Susanne Guski-Leinwand; Fachhochschule Dortmund, FB Angewandte Sozialwissenschaften, PD an der FSU Jena

  • Teilprojekt Erlangen: Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie im Gesundheitssystem

Priv.-Doz. Dr. Rainer Erices; Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

Psychiatrie in der DDR zwischen Hilfe, Verwahrung und Missbrauch?

Eine Untersuchung zur strukturellen Verankerung und dem gesellschaftlichen Stellenwert psychiatrischer Versorgung.

Auch 30 Jahre nach der so genannten politischen Wende sind viele Fragen zur Rolle der Psychiatrie in der DDR noch immer unbeantwortet. Eine Systematik grundlegender Strukturen fehlt weitgehend.

Dementsprechend zielt das Teilprojekt „Psychiatrie in der DDR“ auf die wissenschaftliche Aufarbeitung der für die Psychiatrie relevanten Strukturen innerhalb des DDR-Gesundheitswesens im Zeitraum von 1945 bis 1990. Innerhalb dieser Strukturen und Körperschaften sollen Abläufe, gesetzliche Rahmenbedingungen, Akteure und deren Interaktionen vor dem Hintergrund politisch-ideologischer und fachlicher Diskurse und Vorgaben untersucht werden. Durch Netzwerkanalysen wird es möglich sein, Beziehungsstrukturen zu analysieren und den Einfluss sowohl Einzelner als auch der von Gruppen innerhalb der Psychiatrie sowie außerhalb auf politisch-administrativer Ebene zu überprüfen. Dadurch sollen Handlungsspielräume herausgearbeitet und die für die Durchsetzung der Gesundheits- und Wissenschaftspolitik verantwortlichen SED- sowie institutionellen Leitungs- und Machtstrukturen aufgezeigt werden. Anhand qualitativer Interviews mit Zeitzeugen, die in irgendeiner Form zwischen 1945 und 1989 mit der Psychiatrie in der DDR konfrontiert waren sowie mittels einer Repräsentativbefragung in den neuen und alten Bundesländern bezüglich lebensgeschichtlicher Erfahrungen in und mit der DDR, soll dieses Ziel begleitend unterstützt werden.

Zudem sollen veröffentlichte Fachpublikationen systematisiert, inhaltlich analysiert und durch einen kritischen Abgleich mit „den Alltagserfahrungen“ geprüft werden, inwieweit diese Ausdruck der jeweiligen Forschung und Praxis waren. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf der interviewbezogenen Arbeit mit Zeitzeugen (ehemaligen Akteuren und Patienten) und auf gezielten Archivstudien liegen. Neben der Ausrichtung auf die Patientenperspektive gilt es, Verflechtungen von Verantwortlichen mit dem Ministerium für Staatssicherheit zu identifizieren.

Die Ergebnisse werden in Form von Bibliographien und Literatursammlungen sowie einer Online-Datenbank zu Archivalien der Psychiatrie in der DDR für künftige wissenschaftliche Projekte zur Verfügung gestellt. Ein wichtiges Anliegen ist es, die Öffentlichkeit über eine Homepage, durch regelmäßige Veranstaltungen, Informationsbroschüren, die Gestaltung einer Wanderausstellung über die Ergebnisse zu informieren.