Neurologie im Gesundheitswesen der DDR

Projektträger: Verbund Norddeutscher Universitäten (VNU Impulse #54)

Projektlaufzeit: Juni - Dezember 2021

Projektkoordination: Prof. Dr. Ekkehardt Kumbier, Arbeitsbereich Geschichte der Medizin der UMR

 

Kooperationspartner: Dr. Matthias Grothe, Klinik und Poliklinik für Neurologie der UMG

Mitarbeitende: Dr. Kathleen Haack, Arbeitsbereich Geschichte der Medizin der UMR; Dr. Jan Armbruster,Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des Helios Hanseklinkums Stralsund

 

 

Neurologie im Gesundheitswesen der DDR

Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine Tendenz der Verselbständigung der Neurologie als eigenständige medizinische Fachrichtung erkennbar. Doch diese medizinisch-wissenschaftliche Abgrenzung ging nach 1945 in Deutschland nicht immer mit einer entsprechenden institutionellen Autonomie einher. Erst in den 1950er- und 60er-Jahren zeichnete sich ein Trend zur klinischen Separierung ab, in dessen Folge an den Universitäten eigenständige Lehrstühle für Neurologie entstanden, die meisten davon in der BRD, nur wenige in der DDR. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass solche Ausdifferenzierungen in Abhängigkeit unterschiedlicher Akteure auf diversen institutionellen Ebenen von Ort zu Ort starke Differenzen aufweisen. Dennoch wirft die scheinbar stagnierende Entwicklung der Neurologie in der DDR Fragen auf:

  • Welche Rolle kam der Neurologie innerhalb des Gesundheitswesens der DDR und spezifisch im Verhältnis zur Psychiatrie zu? Konnten sich beide Fächer in ihrer institutionellen Verbindung in gleichem Maß entwickeln oder gab es eine überregionale Dominanz eines Bereichs auf Kosten des anderen?
  • Welche relevanten Strukturen der Neurologie gab es im Zeitverlauf innerhalb des DDR-Gesundheits- und Forschungswesens? Gab es spezifisch geförderte Teilgebiete?
  • Wie hoch war der Anteil von Ärztinnen in Führungs- und untergeordneten Ebenen vor dem Hintergrund einer in der DDR auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgerichteten Frauen- und Familienpolitik?
  • Inwieweit wirkten sich politisch-ideologische Vorgaben der für die Durchsetzung der Gesundheits- und Wissenschaftspolitik Verantwortlichen auf institutionelle Leitungs- und Machtstrukturen aus?
  • Konnten umgekehrt neurologisch tätige Akteure Einfluss auf die zentralstaatlich organisierte Gesundheits- und Wissenschaftspolitik der DDR nehmen? Welche Rolle spielte die Fachgesellschaft bzw. deren regionale Ableger dabei?
  • Wie entwickelte sich die Neurologie in der DDR im deutsch-deutschen und internationalen Vergleich? Wie gestaltete sich der Wissenschaftsaustausch?

Für die Klärung dieser Fragen sind eine gezielte Archivarbeit, die interviewbezogene Arbeit mit Zeitzeugen sowie die Analyse der Primärliteratur in einschlägigen Fachpublikationen erforderlich.

Das Bild oben zeigt die Zellsedimentierkammer  nach Sayk (ca. 1955). Medienzentrum der Universität Rostock. Datei: „Sedimentationskammer nach Sayk 8552a“ (Mit freundlicher Genehmigung von Dr. rer. nat. Reinhard Lehmitz).